Blue Flower

Mythen über Lutz

 

Mythen und Wahrheit sind oftmals schwer zu unterscheiden. Nicht nur für den Leser, auch für den, der sich erinnert. Doch werde ich versuchen (ja, nicht mehr als versuchen) mich so nahe wie möglich an der Wahrheit entlang zu bewegen. Sollte das nicht immer gelingen dann sprechen wir über Mythen. Letztendlich kann der Leser selbst entscheiden was er als Wahrheit oder als Mythe annehmen will. Denn selbst die Wahrheit ist relative.

Sollte ich zum Beispiel über ein blaues Auto sprechen, denkt der eine über ein Marineblaues Auto, während ein anderer gerade in den Himmel blickt und für ihn kann das Auto himmelblau sein. Für mich wird es die Erinnerung sein die ich hatte als ich das Auto sah.

Was ich damit sagen will. Zweifel ist immer gut, aber schließe nichts aus, denn im Leben ist alles möglich und oft ist das unmögliche die volle Wahrheit.

So, wie es wahrscheinlich den meisten von uns geht, finde ich mein Leben eigentlich ziemlich normal. Auch geschieht es ab und zu, wenn ich mich an die eine oder andere kleine Geschichte erinnere und sie anderen erzähle, dass ich den Eindruck bekomme, ich weiche nicht wirklich und wenn doch, nur ein wenig von dem Leben ab, das allgemein als Standard gesehen wird.
Wenn ich über das Leben anderer lese und manchmal anderen zuhöre und sie von ihrem Leben berichten und damit erfahre was andere mitgemacht haben, dann denke ich, mein Leben war und ist eigentlich nicht so spannend oder unangenehm. Doch ich muss zugeben, wenn ich mein Leben in meinen Erinnerungen nochmals durchlebe, kommt mir etwas anderes in den Sinn. Mein Leben hat überaus große Höhen und tiefe Tiefen.
Vielleicht gerade deswegen möchte ich an dieser Stelle es dem Leser überlassen zu urteilen. Letztendlich liegt das Urteil über ein Ereignis im Auge des Betrachters oder in seinen eigenen Erfahrungen.

Noch eines ist mir wichtig, ich möchte an dieser Stelle darauf hinweisen, dass meine Geschichte äußerst subjektiv ist.
Meine Erinnerungen sind mir oftmals undeutlich. Doch ich nehme mir das nicht übel und hoffe du auch nicht, da die Ereignisse inzwischen schon 30, 40 oder 50 Jahre zurückliegen. An einigen Punkten möglicherweise beinahe 60 Jahre. Wie zum Beispiel meine Geburt die mir wahrscheinlich für immer ein Mysterium bleiben wird.

Und es gibt noch einen anderen Punkt, den ich nicht vergessen will, zu erwähnen. Ein natürliches Bedürfnis sich selbst immer etwas besser darzustellen, als es die Wirklichkeit eigentlich hergibt.

Damit du es besser verstehst, folgende Geschichte.


So ab und zu erzähle ich die Geschichte einer Party. Dort haben sich zwei Frauen, wie ich später erfuhr, abgesprochen mit mir ins Bett zu gehen. Ein Trio klingt im ersten Moment, für einen Mann, spannend und ist sicher etwas, worüber man so ab und zu im kleinen Kreis erzählen kann. Natürlich erzähle ich diese Geschichte immer ein wenig ungenau und ohne zu sehr in Details zu gehen. Doch oft gibt es in einer solchen Männerrunde jemanden, der völlig indiskret fragt, ob ich letztendlich mit den beiden Frauen im Bett lag. In einem solchen Fall reagierte ich, mit einem bestimmenden Ton, dass kein Gentleman so etwas fragt. Um der Geschichte dann doch die von anderen erwartete Wendung zu geben, antworte ich dann oft einfach mit Ja darauf. Doch die Wahrheit war etwas anders. Ich will sie kurz schildern.

Also für die die genau hinhören (lesen) noch einmal wie es wirklich war.
Party mit 40 bis 50 Gästen. Ich saß oder stand in einer Ecke mit jemandem und lästerte über andere, d. h. ich suchte mir jemand aus über den es sich lohnte zu reden und machte so meine Bemerkungen. Mir war dabei klar, manche konnten das als lästern sehen, doch ich hatte eher die Neigung dies als Zeitvertreib zu sehen. Mir ging es nicht darum, jemanden wehzutun. Oft war so, dass die Person, mit dem ich meine Analysen teilte, 10 Minuten vorher, das Opfer meiner Analysen war. Scheinbar brachte mir dies eine gewisse Popularität ein. Für mich gibt es keine andere Erklärung dafür, dass sowohl Opfer als auch Zuhörer gerne bei mir standen.
Kommen wir nun zurück zu den Frauen.
Die zwei oben genannten Frauen kamen irgendwann in den Kreis der Zuhörer und taten ihr Bestes um mich davon zu überzeugen das mein tun nicht wirklich lustig ist, was selbstverständlich, damals konnte ich nicht anders, dazu führte das die beiden vom Zuhörer zum Opfer wurden.

Irgendwann, als die Party sich dem Ende näherte, kam eine von den beiden, zu mir und fragte, ob ich nicht mit ihr nach Haus gehen will, da sie in mich lieben würde. Da ich in dieser Nacht keine andere Verpflichtungen hatte, sagte ich ja. (Es waren möglicherweise andere Zeiten, ich war jung, leichtsinnig und Rock ‘n’ Roll war angesagt, das eine Frau mir ihre Liebe erklärte fand ich relativ normal.) So landete ich also im Bett der ersten Frau. Als dann das Wochenende vorbei war und die Frau wieder der ihren anderen Verpflichtungen nachgehen musste (übrigens nur so am Rande sie war Fotomodel) war sie für ein paar Tage weg. In dieser Zeit konnte ich mich in aller Ruhe mit Frau Nummer zwei unterhalten. Diese erzählte mir dann unverblümt, was ihre bösartigen Pläne waren. Die Beiden hatten sich abgesprochen zusammen mit mir ins Bett zu gehen (hier haben wir das bereits erwähnte Trio) um mir meinen großen Mund heimzuzahlen.
Inzwischen hatte sich aber Frau Nummer eins, wirklich in mich verliebt und darum ging das Fest nicht durch. Das hat mich nicht davon abgehalten, am nächsten Morgen zu ihr ins Bett zu gehen. Da sie mich nicht gleich aus ihrem Bett warf, denke ich das ich es mir erlauben kann, zu behaupten, dass ich mit beiden Frauen im selben Bett lag. Nicht, dass ich mit Frau Nummer zwei wirklich Sex hatte, das wollte sie nicht. Sie könnte das ihrer Freundin nicht antun (die ja verliebt in mich war), aber wahrscheinlicher war, dass es an mir lag.

Soweit diese Geschichte.
Die Erste lässt Raum für eine Menge Phantasie und die andere entspricht doch mehr der landläufigen Normalität, mit der man niemanden mehr hinterm Ofen hervorlockt, aber beide sind gleichzeitig wahr.

Also immer schön vorsichtig sein. Mit der Wahrheit ist es nicht so einfach und deshalb immer im Hinterkopf behalten was ich beschreibe unterliegt einer subjektiven Erzählweise.

 

So gibt es noch eine Menge (Sex) Geschichten in meinem Leben, z. B. als mir in einem Florettgefecht beinahe der halbe Penis abgeschnitten wurde, doch ich denke es wurde deutlich, worauf ich hinaus will. Auf jeden Fall werde ich mein bestes tun, um die subjektive Wahrheit so gut wie möglich zu erzählen und Ereignisse weglassen, die sowohl für mich als auch für andere zu peinlich sein könnten.